Die Anwendung des Gaiwan

Die Handhabung des Gaiwan ist genauso alt, wie das Gefäß selbst und ebenso schlicht und einfach.

1. Das Ausspülen

Unabhängig von Art, Sorte und Geschmack der später aufgebrühten Teeblätter, wird der Gaiwan zuerst stets mit heißem Wasser ausgespült.
Dies dient zweierlei Zwecken. Zum einen wird das Gefäß von Rückständen oder Staub befreit und zusätzlich auch symbolisch gereinigt und ist somit sauber, leer und zudem bereit, den Tee in sich aufzunehmen.
Zum Anderen erwärmt das heiße Wasser den Gaiwan die Schale vor, da nach der chinesischen Tradition, die Temperatur des zu brauenden Tees sehr genau kontrolliert werden muss und Kälte bzw. Zimmertemperatur dazu nicht geeignet sind.
Das Wasser, welches zum Reinigen und Erwärmen des Gaiwan benutz wurde, wird für gewöhnlich in die Probierschalen, aus denen der Tee später getrunken wird, gegossen, um diese ebenfalls aufzuwärmen. Dann wird das Wasser weg gegossen.

2. Die Teeblätter

Bereits im Voraus werden die Teeblätter gesäubert und dem Geschmack entsprechend vorbereitet. Nachdem der Gaiwan gesäubert und erwärmt worden ist, werden die Teeblätter in das Gefäß gegeben.
Für Unerfahrene ist es empfehlenswert zu Anfang erst ein bis zwei Teelöffel des losen Tees in den Gaiwan zu geben. Anschießend kann man immer noch etwas Tee hinzugeben, um den perfekten Geschmack des Teeaufgusses zu erhalten.
Man sollte immer bedenken, dass einige Teesorten stärker und herbe im Geschmack sind, als andere.

3. Das Aroma

Um ein ideales Aroma und volle Geschmacksentfaltung zu garantieren, ist es üblich, die Teeblätter zuerst mit ein wenig heißem Wasser zu bedecken und dieses Wasser schnell abzugießen. Damit wird der Geschmack gemildert, das Aroma kann sich entfalten und das sehr herbe oder trockene Gefühl im Mund, welches einige Teesorten verursachen, abgemildert. Bei manchen Tees ist es sogar zu empfehlen, die Prozedur des "Spülens" mehrmals hintereinander anzuwenden. Dies gilt insbesondere für gepresste und gealterte Tees wie z.B. der Oolong oder der Pu-Erh Tee.
In jedem Fall sollten die Teeblätter vor dem Aufbrühen angefeuchtet sein, damit sich die Ätherischen Öle in den Blättern entfalten können.

4. Das Wasser

Da Tee generell aus über 99 % Wasser besteht, ist es außerordentlich wichtig, welches Wasser man benutzt, um den Tee aufzubrühen, da sich auch die Qualität des Wassers auf den Geschmack und das Aroma des Tees niederschlägt.
Generell ist von gewöhnlichem Leitungswasser abzuraten, da die chemische Behandlung der Wasserwerke zur Aufbereitung des Trinkwassers bestimmte Stoffe hinzufügt, die das Wasser durchaus trinkbar machen, aber auf den Tee als solches Einfluss nehmen.
Kalk- und andere Filter sind oftmals in der Lage, eben diese Geschmacksstoffe und Mineralien zu filtern, dennoch bleibt Quellwasser immer noch die beste Wahl, da dieses Wasser für den idealen Aufguss weder zu hart, noch zu weich ist.
Bitte beachten: Destilliertes Wasser ist in keinem Fall zum Teebrühen und ebenso wenig zum normalen Verzehr geeignet! Es kann lebensgefährlich sein!

5. Das Aufbrühen

Um einen Tee richtig aufzubrühen sind Wassertemperatur und die Ziehzeit ebenso wichtig wie die Qualität des Wassers und der verwendeten Teeblätter.
Leider ist jeder Tee so individuell, dass es keine wirklichen Regeln für das Aufbrühen gibt. Grundsätzlich kann man nur von Richtlinien sprechen, an denen man sich orientieren kann:

Grüner Tee

Generell heiß es, dass man Grünen Tee stets mit Wasser aufbrühen sollte, welches noch nicht gekocht hat. Dies bedeutet, dass das Wasser eine Temperatur von ca. 70 °C haben sollte, wenn man die Teeblätter überbrüht. Man sollte den Gaiwan während des Ziehens nicht abdecken. Der zusätzliche Vorteil ist hierbei, dass man die Teeblätter und die Farbe des Wassers während des Brühens überwachen kann. Somit ist man in der Lage, zukünftige Aufgüsse auf den Tee anzupassen.
Ist der Geschmack zu stark, so sollte man die Temperatur des Wassers auf 60 °C, wenn nicht sogar 50 °C senken. Somit lässt ebenfalls der eventuell auftauchende bittere Geschmack, den zu heiß gebrühte Grüne Tees aufweisen, nach.
Grüner Tee sollte drei bis vier Minuten ziehen.

Oolong Tee

Den Oolong Tee sollte man maximal drei Minuten ziehen lassen und mit auf 80 °C bis 85 °C heißem Wasser überbrühen.

Schwarzer Tee

Im Allgemeinen übergießt man Schwarzen Tee mit Wasser bei einer Temperatur von 85 °C bis 95 °C und lässt diese drei Minuten ziehen.

Pu-Erh Tee

Hier sollte man beachten, dass man den Pu-Erh Tee mit Wasser überbrüht, das gerade zum Kochen gekommen ist. Generell lässt man diese Teeblätter drei bis fünf Minuten ziehen.
Hier sollte man besonders darauf achten, den Tee vorher zu "spülen". (Siehe 3.)

6. Das Servieren

Man serviert mit dem Gaiwan, indem man mit der linken Hand den Deckel auf das Gefäß legt und das Ganze auf der Untertasse auf die offene Handfläche der rechten Hand legt. Die "Kappe" wird leicht seitlich versetzt so dass das Wasser gerade entweichen kann, die Blätter aber im Behältnis verbleiben - und mit dem Daumen gehalten.
Anfangs kann man den Gaiwan durchaus mit zwei Händen bedienen. Die oben genannte Prozedur ist jedoch die traditionelle Handhabung.
Nun füllt man den Tee in eine Kanne oder einen Krug um, um aus diesem das Getränk in die Probierschalen zu füllen und die Gäste zu bedienen.

7. Das erneute Aufbrühen

Qualitätstees können, im Gegensatz zu den zerhackten Teeblättern oder Teebeuteln - mehrmals aufgebrüht werden. Für gewöhnlich kann man diese zwei- wenn nicht sogar dreimal erneut aufgegossen werden, wenn nicht sogar mehr.
Für gewöhnlich ist es beim erneuten Aufbrühen notwendig, die Dauer des Ziehens und auch die Temperatur des Wassers geringfügig zu erhöhen. Man sollte aber beachten, dass man die Blätter nur dann wieder verwenden kann, wenn sie noch feucht und warm sind.